
In der Testosteron-schwangeren Welt des Hip-Hop ist es ein Wagnis sein, sich ausgerechnet nach einem Wattestäbchen zu benennen. Nicht für Q-Tip. Als Chef der Rap-Formation A Tribe Called Quest hat er einige der stilprägenden Alben der neunziger Jahre zu verantworten, “People”s Instinctive Travel And The Paths Of Rhythm” etwa oder “The Low End Theory”. Q-Tips dadaistischen Reime waren immer eine interessante Alternative zum dumpfen Gangsta Rap. Nun ist er seit neun Jahren solo und kaum in Erscheinung getreten, während die Hip-Hop-Welt von den Erben seines musikalischen Vermächtnisses wie Kanye West, Outkast, The Roots oder Lupe Fiasco umgekrempelt wurde. Umso größer sind die Erwartungen an “The Renaissance” (Motown/Universal, 2008). Der Veröffentlichungstermin am Tag der amerikanischen Präsidentenwahl ist kein Zufall: Ein paar Obama-Redefetzen tauchen zwischen den Jazz-Soul-Riffs und knochentrockenen Beats auf, ansonsten wird die Renaissance vor allem ästhetisch gedeutet. Als Rückkehr des goldenen Zeitalter der Hip-Hop-Eklektizismus: Amy-Winehouse-Produzent Mark Ronson unterlegt Soulsamples, der Rapper lässt sich vom Funk davontragen, zitiert Prince und kontert Norah Jones, Raphael Saadiq oder D”Angelo mit effektvoll entspannten Raps. Das hat Swing – und erinnert in den besten Momenten an A Tribe Called Quest.
Quelle: http://www.sueddeutsche.de


